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Eero Saarinen

Eero Saarinen – Herr der organischen Formen

Wenn ein Kind mit beiden Händen gleichzeitig zeichnen kann, zeugt das bereits von einem ungewöhnlichen Talent. Wenn dann noch der Vater ein angesehener Architekt und die Mutter sowohl Textildesignerin als auch Bildhauerin ist, dann sind dem Kind die besten Voraussetzungen für eine große Design-Karriere in die Wiege gelegt.

Bei Eero Saarinen, geboren 1910 in Kirkkonummi, Finnland, war es so. Er wuchs quasi im Atelier seines Vaters Eliel Saarinen auf, der sich u. a. als Architekt des Hauptbahnhofes in Helsinki einen Namen machte. 1922 wanderte die Familie trotz des Erfolges in der Heimat in die USA aus. Damals war Eero zwölf Jahre alt. Die Familie lebte in der Cranbrook Educational Community, einer Kunstgewerbeschule und Künstlerkolonie in einem Vorort von Detroit, die Vater Eliel Saarinen entworfen hatte.

Eine schicksalhafte Begegnung

Nach seinem Studium der Bildhauerei von 1929 bis 1930 in Paris und einem Architekturstudium in Yale, kehrte Eero Saarinen nach Cranbrook zurück, um im Architekturbüro seines Vaters zu arbeiten. Dort traf er erstmals Charles Eames, mit dem ihn bald eine intensive Designer-Freundschaft verband. Ehrgeizig und experimentierfreudig ergänzten sich die beiden kreativen Köpfe ideal. Gemeinsam nahmen sie 1941 am MoMA-Wettbewerb „Organic Design in Home Furnishing“ teil. Die Ausstellung wurde mit den Entwürfen von Eames und Saarinen eröffnet und das Publikum sah erstmals flexible und modulare Stauraumsysteme sowie Stühle mit organisch geformten Sitzschalen. Spätere Entwürfe der beiden Designer, wie der berühmte „Plastic Arm Chair“ von Ray und Charles Eames und auch der „Tulip Chair“ von Saarinen haben ihren Ursprung in diesen Sitzschalenformen, die nichts von ihrer Attraktivität verloren haben. Das beweist heute beispielsweise die „Organic Chair Collection“ von Vitra.

Lümmeln erwünscht

1946 entwarf Eero Saarinen den „Womb Chair“. Die gut gepolsterte organische Sitzschale auf Stahlrohrfüßen, aus der sich Rückenlehne und Armlehnen entwickeln, ist breit genug, um sich darauf auch mit angezogenen Beinen so richtig gemütlich wohlzufühlen. Der Sessel wurde ein Verkaufshit – und zu einer Ikone des modernen Sitzens, denn hier war das Lümmeln erstmals salonfähig. Mit seinen Möbelentwürfen für die Firma Knoll International brachte Eero Saarinen organische Formen in das Möbel-Design und revolutionierte die Wohnzimmer einer sich modernisierenden Welt in den Nachkriegsjahren.

Weniger Bein ist mehr

Mit dem „Tulip Chair“ entwickelte Eero Saarinen 1956 für die Firma Knoll International den ersten Stuhl der Möbelgeschichte mit nur einem Bein. Damit wollte er einen konsequenten Kontrapunkt setzen zur „hässlichen und unruhigen Welt“ zwischen den Tisch- und Stuhlbeinen. Der „Tulpenstuhl“ erinnerte an die Silhouette der Blume und wirkte so filigran, zeitlos und modern, dass daraus einer der beliebtesten Design-Klassiker wurde. Passend dazu entwickelte der Künstler auch einen Esstisch mit Säulenfuß sowie Couch- und Beistelltische – und damit seine berühmte „Pedestal Collection“.

Einer der wichtigsten Architekten im Amerika der 1950er-Jahre

Seine Liebe zu den organischen Formen beeinflusste auch die architektonischen Meisterwerke von Eero Saarinen. Vor allem das Jefferson National Expansion Memorial in St. Louis und das TWA Flight Center des John-F.-Kennedy-Flughafens in New York von 1962 machen das eindrucksvoll deutlich. Das TWA-Terminal gilt mit seinen in sich fließenden Formen innen und außen als das spektakulärste Bauwerk seiner Zeit. In den 1950er-Jahren war Eero Saarinen einer der gefragtesten Architekten Amerikas.

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